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FARBE KOMMT INS LEBEN

Als ich zwölf war, zogen wir weg – weg von meinen Freunden, meiner Klasse. Erst nahm ich das ganz locker, weil ich voller Selbstvertrauen an die vielen neuen Freunde dachte. Doch es kam ganz anders. Wirkliche Freunde hatte ich nicht und in den Pausen warfen sie meine Sachen durch die Gegend und verbreiteten miese Gerüchte über mich. Außerdem wollte mich bei Gruppenarbeiten und beim Sport niemand in seiner Gruppe haben. Das machte mich seelisch ziemlich fertig. Zum Glück hatte ich außerhalb der Schule Freunde. Die halfen mir über den Kummer hinweg. Dann zog mich meine damals beste Freundin in die Graffiti-Szene. Ich stand zum Beispiel Schmiere oder zog mit dicken Eddings durch die Gegend. Zwischendurch hatte ich Phasen, in denen ich richtig depressiv war. Dann war mir nur zum Heulen zumute und ich fragte mich, was das Leben noch sollte. Dazu kam noch, dass ich begann über Diäten zu lesen und Kalorien zu zählen. Ich fühlte mich dick und hässlich und hasste meinen Körper.

Irgendwann lud mich eine Bekannte aus dem Konfirmandenunterricht zu einem Jugendgottesdienst mit Band ein. Das passte nicht zu dem Christentum, das in meinem Kopf existierte. Aber es sollte wohl so sein. So radelte ich dann ziemlich nervös zur Kirche und wurde dort herzlich empfangen. Stühle gab es keine, alle saßen auf dem Boden. Auch das wich von dem ab, wie ich es kannte. Die Musik im Gottesdienst berührte mein Herz und sprach mich an. Genauso wie der Lebensbericht von einem Mädchen. Jeder Satz von ihr traf mich wie eine Ohrfeige. Bei ihr war es genauso wie bei mir jetzt. Ich erkannte, dass ich mich auf der Rolltreppe abwärts befand und immer tiefer in den Abgrund sank. Das traf mich mit voller Wucht. Nach der Predigt wurden wir eingeladen Jesus in unser Leben reinzulassen. Als ich die Augen schloss, um genau das zu tun, sah ich ganz deutlich eine Brücke vor mir, die ich soeben für Jesus freigegeben hatte. Ich musste so heulen, weil ich den ganzen Mist meines Lebens erkannte und was ich alles verbockt hatte.

Mit der Hilfe von Jesus Christus ging dann alles Schlag auf Schlag. Ich besuchte die Jugend, ging zum Hauskreis und machte direkt einen Glaubenskurs mit. Ich fühlte mich geliebt und angenommen. Mit dem illegalen Graffiti habe ich komplett aufgehört und meine Depressionen sind verschwunden. In meiner Klasse bin ich jetzt nicht nur akzeptiert, sondern auch beliebt. Echt schön. Natürlich sind meine ganzen Probleme nicht auf einmal verschwunden. Und natürlich gibt es hier und da kleine Abstürze. Aber ich weiß: Ich falle nie tiefer als in Gottes Hände.

Frauke

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